Gesundheit in eigener Verantwortung Teil 4
Neurodermitis bei Erwachsenen
Über das Schwert Excalibur, oder wie ich meine Neurodermitis behalte
Susanne, 35 Jahre jung, bot einen Anblick des Erbarmens: Das ganze Gesicht gerötet, ebenso die Halsseiten, als auch der Ausschnitt, die Unterarme, die Ellenbeugen. Überall durch Kratzen aufgerissene Hautstellen, blutend, zum Teil verkrustet.
Dazu ihr Kommentar. „Heute sehe ich ja noch super aus. Sie hätten mich erst mal letzte Woche sehen sollen! Aber Cortison hilft ja prima – nur macht es bekanntlich auf Dauer die Haut kaputt!“
„Seit dem ersten Lebensjahr bin ich mit dieser elenden Erkrankung beschäftigt und nichts, aber auch gar nichts hat geholfen!:
Cortison, Teersalben, Ernährungsumstellungen, Darmsanierung, Eigenbluttherapie, Urintrinken, Bestrahlung, Kinäsiologie, Globuli, Nordsee, Schwarzwalklinik, Klinik Neunkirchen, Säure- Basen Diät und noch manches mehr. Einzig am Roten und/oder Toten Meer war ich noch nicht.“
Jetzt bin ich hier bei Ihnen: Einerseits klingt Ihre Internet Seite recht glaubwürdig, aber! andererseits glaube ich Ihnen nicht: Zu viele Ärzte haben mich schon reingelegt!“
„Wie kommen Sie als Internist überhaupt zu dem Thema Neurodermitis, denn dies ist ja eine Hauterkrankung?“
„Einer meiner Söhne war von seinem sechsten bis zwölften Lebensjahr von dieser scheußlichen Erkrankung befallen. Sechs Jahre sind wir als brave Anhänger der Schulmedizin durch die verschiedensten Institutionen „geflogen“. Nichts half.
Dann, im Rahmen meiner Psychotherapieausbildung, dachte ich einmal über unseren familiären Umgang nach, und wir haben dann heimlich, ohne dem Sohn etwas zu verraten, ihm gegenüber etwas verändert. Und siehe da, innerhalb eines halben Jahres war seine ND anhaltend bis heute verschwunden!
„Ja, aber! das kann ein Zufall sein!“ protestierte Susanne. „Manchmal passieren Dinge gleichzeitig und sie gehören nicht zusammen! Da sind schon genügend Leute auf die Nase gefallen!“
„1994 attestierten mir 3 Psychologinnen im Rahmen ihrer Diplomarbeit, dass ich bei ND Patienten mit einem anhaltenden Erfolg von 68% gearbeitet hatte (Über 40 ehemalige ND – Familien waren zum Interview eingeladen worden).“
„Ja, aber! Das beweist noch gar nichts! Vielleicht hat nicht Ihr Modell, sondern Ihre blauen Augen geholfen!“
„Da könnten Sie recht haben. Genau aus diesem Grund versuche ich zur Zeit ein weiteres Forschungsprogramm aufzulegen, in dem dann ND Pat. „in die Röhre“ geschoben werden und man nachschaut, ob exakt bei den Begriffen, die ich für Neurodermitiker als allergisch herausgefunden habe, auch die Mandelkerne aufleuchten. Diese Kerne leuchten dann auf, d. h. sind dann mehr durchblutet, wenn jene Person in diesem Augenblick Angst empfindet: dann hätten wir einen hieb- und stichfesten Beweis für einen kausalen Zusammenhang von Psyche und Körper!“
„Aber andererseits sind inzwischen so viele Ihrer Leidensgenossen/innen durch mich gesund geworden, dass ich mir eine gewisse Sicherheit erlaube, dass ich nicht ganz falsch liege.“
„Aber!, wenn es bei mir nicht hilft, bin ich wieder einen Menge Geld los!“
„Genau! Sie werden todsicher bei mir nicht erfolgreich sein, wenn Sie unbeirrbar bei Ihrer Psychodynamik des „Ja, aber!“, des stets Dagegen Seins bleiben! Mit „Ja aber“ bleiben Sie zwar bei mir stets der Sieger, nur Sie behalten Ihre ND …..!“
„Das hat mir noch niemand gesagt! Sie haben recht. Ich muss immer alles von allen Seiten beleuchten und bis in die tiefsten Tiefen gehen. Deswegen tue ich mich wohl auch so schwer, Entscheidungen zu treffen!“
Ich schlage Ihnen einen Deal vor: „Sie bemühen sich über die nächsten Monate bei mir mit Ihrem „Ja, aber“ immer sparsamer umzugehen und ich verspreche Ihnen dafür n i c h t , dass Sie bei mir gesund werden! Sie müssen bei mir nicht gesunden!“
„Was sagten Sie da eben?!“, flüsterte Susanne. „Müssen?!, das kann ich nun aber überhaupt nicht leiden!“
„Ich tue ja manches gerne für Andere, aber man sollte es nicht von mir haben wollen! Dann sperrt sich aber auch alles in mir!“
„Sie bremsen dann wohl wie Pluto im Mickey Mouse Heft?“, meinte ich ergänzend.
Und könnte es sein, dass genau in dem Moment, wenn Sie einem „Du musst!“ ausgesetzt sind und sich nicht dagegen wehren können, es also tun müssen, genau dann der elende Juckreiz einsetzt?“
„Ja, aber, …“, sie hielt inne und lächelte. „Nein, Sie haben recht! Das stimmt!“ Warum nur hat mir bisher niemand dies verraten?“
„Einen zweiten Auslöser für den Juckreiz – so haben mir dies Ihre Leidenskollegen verraten – sehe ich darin, dass, wenn Sie einen Fehler gemacht, Andere enttäuscht haben, gar schuldig geworden sind, sich wieder kratzen müssen.“
Auch diesem, in ihr wohnenden Trigger für Juckreiz, konnte Susanne zustimmen.
Für die nächsten Monate trainierte Susanne nun intensiv, ohne schlechtes Gewissen! auch mal Andere zu enttäuschen, einen Fehler gemacht zu haben, und sie lernte mit einem „Du musst!“ differenzierter umzugehen: a) Diesen an mich herangetragenen Wunsch Anderer muss ich nun weiß Gott nicht erfüllen. Da kann ich laut und deutlich sagen: „Das will ich nicht!“ b) Diese zu erfüllende Aufgabe ist zwar lästig, aber gewisse Pflichten gehören nun mal zu einer Kooperation mit Mitmenschen. c) Das ist ja gar kein Muss! Das will ich ja selber; also mache ich es.!
Von einem „Ja, aber“, einem reflexartigen Widerspruch lernte sie umzuschalten auf einen überlegten Widerspruch!Nach 1 ½ Jahren hatte sich ihre ND fast vollständig zurückgebildet.
(Die schnellste Klientin schaffte es nach 3 Sitzungen in 4 Monaten!)
(Von Heilung kann nicht die Rede sein, denn die krankmachenden Gene in Richtung ND bleiben natürlich unverändert erhalten; sie sind aber jetzt abgeschaltet: Gesundheit in eigener Verantwortung!)
„Ja, aber“, oder der reflexartige Widerspruch
Ich habe den persönlichen Eindruck, dass immer mehr Menschen von dieser unbesiegbaren Waffe, dem „ja, aber“, daher Excalibur Schwert, Gebrauch machen. Man kann sagen was man will, man kann einen noch so gut durchdachten Vorschlag einbringen, stets bekommt man ein „Ja, aber!“ zu hören, sei es explizit oder auch implizit.
Besonders mühsam gestaltet sich dann natürlich ein Umgang mit einem solchen Klienten: Auf jede Anregung des Therapeuten folgt ein „Ja, aber“ und der Patient hat wieder gewonnen, zumindest dem Berater gegenüber – für draußen natürlich hat er verloren!
Erfolgreich dagegen ist man im Leben, wenn man f ü r e t w a s ! ist und nicht dauernd dagegen!!
Überprüfen Sie sich doch einmal bitte, wie Sie es mit dem „ja, aber“ halten.

18. Mai 2010 | 13:13 Uhr
Hallo Dr.Frederich, die Ausführungen finde ich sehr interessant. Bin jetzt 42 Jahre und habe seit ca 12 Jahren Asthma und Neurodermitis. Habe mir psychotherspeutische Hilfe geholt und mein Leben umgekrempelt. Aber beide chron Erkrankungen holen mich immer wieder ein. Habe ich Asthma, dann ruht meine Neurodermitis und umgekehrt. Welche Literaturempfehlung ist in diesem Falle für mich die Beste???
Wäre für einen Hinweis dankbar.
MfG E.Maahs