Einführung
Ein systemischer Ansatz
(Wir Menschen wechselwirken)
Erfolgreich ist die Schulmedizin vor allem in den Fächern der Chirurgie, Zahnheilkunde, Geburtshilfe und präventiver Hygiene!
In den übrigen Abteilungen, wie z. B. in meiner geliebten Inneren Medizin, sieht es nicht so prickelnd aus.
Hier nun entwickelten sich für mich durch den systemischen (familientherapeutischen) Ansatz fast explosionsartig neue Erkenntnisse und therapeutische Möglichkeiten, von ca. 1960 an in den USA entwickelt und 1975 von Prof. Helm Stierlin nach Deutschland, Heidelberg gebracht.
Der systemische Ansatz beinhaltet:
- nicht der Patient ist krank, sondern die Beziehung in der er lebt: Sei es zu Hause, sei es am Arbeitsplatz (z. B. Mobbing)
- der Patient ist die Klingel einer gestörten familiären/betrieblichen Kommunikation
- eine dysfunktionale / angstbesetzte Kommunikation, sei es eines Menschen mit sich selber, sei es der Menschen untereinander, kann genau so zu einer Krankheit führen, wie Bakterien, Viren usw..
- d. h. sowohl Körper und Geist, Seele wechselwirken, als auch die Menschen untereinander!
„Mind triggers body“ (Seele oder Geist beeinflusst Körper), d. h. anhaltende schlechte = angstbesetzte Gedanken können Krankheit auslösen!
Ein Mensch mag zwar pathogene (krankmachende) Gene in sich haben, ob diese aber angeschaltet werden, entscheidet das Gehirn („mind“ = Psyche oder Geist).
Ein Beispiel:
Sonja (Name geändert), 17 Jahre jung, seit Jahren unter einer massiven Magersucht leidend (37 kg bei einer Größe von 155 cm), suchte zusammen mit ihren Eltern verzweifelt bei mir um Hilfe, denn alle waren am Ende ihrer Kräfte: Die Mutter kämpfte mit einer Depression, der Vater dachte an Scheidung, der Bruder, da vernachlässigt, fiel in der Schule ab. Und Sonja terrorisierte mit ihrem unglaublich lautstarkem Geschrei aber auch alle.
Sie hatte bereits -zig Therapien, Krankenhausaufenthalte und esoterische Versuche hinter sich: Nichts hatte geholfen.
Aufgrund meiner Erfahrung im Umgang mit magersüchtigen Mädchen, fragte ich Sonja, nach einer allgemeinen Einführung in mein therapeutisches Vorgehen, ob es denn vielleicht wahr sein könne, dass sie immer wieder von einer fürchterlichen Angst, „nicht richtig zu sein“ geplagt werden würde. Wie vom Donner gerührt schaute sie mich mit großen Augen an, brach in Tränen aus und schluchzte: „Doktor, da haben sie aber eben den Nagel auf den Kopf getroffen! Warum hat mir dies nicht schon früher wer gesagt?! Dauernd zermartere ich mir das Gehirn, wie und was denn die Anderen meinen, dass ich sein sollte und komme zu keinem endgültigen Ergebnis. Habe ich eine Idee, wie ich sein sollte, so verwerfe ich diese aber auch gleich wieder im nächsten Moment und die Grübelei geht wieder von vorne los. Na und bei meinem Gewicht versuche ich halt irgendeinem Idealgewicht zu entsprechen . so dünn wie möglich. Dies geben ja die Modells bekanntlich vor!“
Zusätzlich konnten wir dann noch herausarbeiten, dass Sonja ungern Fehler machte, ungern Andere enttäuschte und sie in Abwehr dieser Angst fast zwanghaft zur Perfektion neigte.
Somit ermunterte ich Sonja täglich einzuüben, systematisch zu trainieren, sowohl im Denken als auch im Handeln!:
- „so wie ich bin, bin ich absolut richtig!!!“ :
Sie bekam jetzt von mir die Erlaubnis das zu leben, was ihr bisher ihr Elternhaus – unbewusst – verboten hatte. Ihre Mutter hatte bisher stets ganz genaue Vorstellungen gehabt, wie sich denn ihre Tochter zu entwickeln hätte!! (Allerdings: In der Familientherapie Szene gibt es keine Schuldigen!!!)
und - ich darf Fehler machen, auch mal Andere enttäuschen, „schuldig“ sein!
Neue Schaltungen im Gehirn entstehen nur durch ein neues Einüben! (Reden allein hilft nicht!)
Den Eltern wurde aufgetragen, ihre Tochter nicht mehr zu bevormunden, ihr zu zutrauen, dass sie jetzt ihr Leben auch a l l e i n e, selbständig in den Griff bekommt. Und Vater sollte sich mehr um seinen Sohn kümmern, denn dieser hatte durch die Krankheitsgeschichte seiner Schwester arg zurückstecken müssen.
Innerhalb weniger Monate fand Sonja, aber auch die ganze Familie, zu einem gesunden Leben zurück.
Während ich also früher als Schul- und Körper-Mediziner nach krankmachenden Bakterien und Viren suchte, um diese dann mit entsprechenden Medikamenten zu bekämpfen, fahnde ich heute nach angstbesetzten Themen, Sätzen, Wörtern eines Patienten. Ich habe sehen gelernt, dass eine solch angstbesetzte Kommunikation eines Menschen, sei es allein mit sich selber, sei es untereinander, diesen in eine anhaltende Anspannung (Dis Stress) versetzt, was dann über die Zeit pathogene Gene anschaltet.
Also kann man sie auch wieder abschalten!
D. h., meine Aufgabe sehe ich unter anderem darin, den Index Patienten, den Erkrankten, genau das zu erlauben, was ihnen bisher verboten war!
Dazu ein weiteres Beispiel:
Vor 20 Jahren wurde ich aus heiterem Himmel mit einer Herzkranzgefäßerkrankung konfrontiert. (Engstellungen im Bereich der Herzkranzgefäße, was bei körperlicher Belastung zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels mit entsprechenden Schmerzen zur Folge hatte).
Damals, 50 Jahre jung!, wog ich 78 kg bei einer Größe von 175 cm, kein Zucker, kein erhöhtes Cholesterin, kein Bluthochdruck: Somit keinen einzigen klassischen Risikofaktor zu einer KHK (Koronaren Herzkrankheit).
Aber halt: Mein Großvater mütterlicherseits war mit 40 Jahren an einem Herzinfarkt innerhalb weniger Tage verstorben!
Also eine genetische Komponente, die in mir schlummerte.
Immer wieder musste ich zu meinem Kardiologen, dem wunderbaren Prof. Kober in Frankfurt, um neu entstandene Engpässe aufdehnen oder mit einem Stent versorgen zu lassen.
Endlich, vor 7 Jahren, konnte ich mein mich schädigendes „Psychoprogramm“ (mind) wahrhaben, das mir einst in meiner Kindheit und Jugend aufgezwungen worden war: „Du darfst nicht scheitern!“, „nicht versagen!“, „schäm dich, wenn du eine zu geringe Leistung (schlechte Note) nach Hause bringst!“
Mit anderen Worten: Mein Schamgefühl war mir viel zu hoch antrainiert worden. (Das Schamgefühl ist im Guten dazu da, im Rahmen einer Kooperation mit Menschen eine ausreichende Leistung einzubringen).
Nun habe ich inzwischen sukzessive trainiert, mit gutem Gewissen! auch mal scheitern, versagen zu dürfen und siehe da, meine miesen großväterlichen Gene in Richtung Herzinfarkt sind abgeschaltet!
(Durch eine erst vor kurzem erstellte Koronarangiografie gesichert: Derselbe Befund wie vor 7 Jahren, also keine Verschlechterung, im Gegenteil: zusätzlich durch sportliches Training da und dort eine Verbesserung).
Ich träume von einer Zukunft, in der ein Arzt b e i d e Felder beherrscht: Sowohl das Körperliche, body, als auch das Psychische, mind.
Beide Teile eines Menschen, sowohl Körper als auch Seele, wechselwirken, im Guten wie im Schlechten:
Im Guten: ein sportlich trainierter Körper löst in der Seele ein sich Wohlfühlen aus. Freude und Lachen wiederum fördert die Durchblutung in unserem Organismus und entspannt die Muskulatur.
Im Schlechten: anhaltende Ängste und dadurch nicht gelöste Hausaufgaben bewirken in unserem Körper, body, eine anhaltende Anspannung, was dann eines Tages pathogene Gene anschaltet.
Bereits in meiner Kindheit galt der Slogan, dass man bis abends möglichst alle Hausaufgaben gelöst haben sollte!
Anlässlich eines Kondolenzbesuches bei einer über achtzig jährigen Bäuerin verriet mir diese das Geheimnis ihrer langjährigen und kaum von einer Krankheit getrübten Ehe: „Wissen Sie Doktor, wir beide sind wohl deswegen so alt geworden und so lange gesund geblieben, weil wir uns jeden Abend vor dem Einschlafen die Hand gegeben haben, egal wie zerstritten wir tagsüber mal gewesen waren!“
Bei vielen Erkrankungen kann Ihnen letztendlich kein Arzt helfen. Nur Sie selber können durch eine Weiterentwicklung Ihres Denkens und Handelns, durch sich jetzt Erlauben, was Ihnen bisher verboten war, ein Abschalten Ihrer pathogenen Gene bewirken:
Gesundheit in eigener Verantwortung!
